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040 · Human Performance & Limitations

Die meisten Unfälle haben keine technische Ursache — sie haben eine menschliche. Human Performance ist das Subject, das erklärt warum Menschen Fehler machen, und wie man sie vermeidet.

Subject-Code040
Konzepte~55
Lernzeit≈ 3 Wochen
SpracheDE + EN
StandECQB 2026

Einführung

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Human Performance & Limitations analysiert den Menschen als System-Komponente in der Luftfahrt. Über 70% der Flugunfälle haben Human Factors als primäre Ursache. Das Verstehen dieser Mechanismen ist keine Theorie — es ist Überlebenswissen.

Dieses Subject verbindet Physiologie, Psychologie und Organisationstheorie. Die Prüfung testet Konzeptverständnis, nicht Auswendiglernen.

Prüfungsstrategie

Viele Fragen sind szenariobasiert: "Ein Pilot bemerkt X — was ist die wahrscheinlichste Ursache?" Verstehe die Konzepte so gut, dass du sie auf unbekannte Situationen anwenden kannst.

Hypoxie & Höhenphysiologie

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Hypoxie entsteht wenn das Gehirn zu wenig Sauerstoff erhält. In der Luftfahrt ist sie eine der gefährlichsten physiologischen Risiken — weil sie sich schleichend entwickelt und der Betroffene sie oft nicht selbst bemerkt.

HöheSymptomeTime of Useful Consciousness (TUC)
0–10 000 ftKeine signifikanten Symptome bei gesunden PersonenUnbegrenzt
10 000–15 000 ftLeichte Beeinträchtigung, Euphorie möglich, reduzierte Nachtsicht30 min+
18 000 ftDeutliche Leistungsminderung, Urteilsvermögen gestört20–30 min
25 000 ftStarke Beeinträchtigung, Bewusstlosigkeit möglich3–5 min
40 000 ftBewusstlosigkeit in Sekunden15–20 Sek
Trügerische Symptome

Hypoxie verursacht oft Euphorie und Wohlgefühl — der Betroffene fühlt sich gut und erkennt die Gefahr nicht. Das macht sie so gefährlich. Erste Symptome: Kribbeln in Fingern, blaue Lippen (Zyanose), Sehstörungen. Behandlung: sofort Sauerstoff, Sinkflug.

Weitere Höhenphysiologie

PhänomenUrsacheSymptomeVermeidung
HyperventilationZu schnelles Atmen → CO₂-VerlustKribbeln, Schwindel, Krämpfe — ähnlich wie HypoxieBewusst langsam atmen, in Tüte atmen
Decompression SicknessStickstoffblasen bei schnellem DruckabfallGelenk- und Muskelschmerzen ("the bends")Kein Tauchen vor Flügen in große Höhen
BarotraumaDruckausgleich in Körperhöhlen (Ohren, Nasennebenhöhlen)Ohrenschmerzen, ggf. TrommelfellrissValsalva-Manöver, nicht fliegen bei Erkältung
GasausdehnungBoyle'sches Gesetz: Volumen ↑ bei Druck ↓Blähungen, Zahnschmerzen bei undichten FüllungenKohlenhydrate vor Flug reduzieren

Vision & Wahrnehmung

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Das Auge ist das wichtigste Sinnesorgan des Piloten — aber es hat bekannte Schwächen die im Cockpit gefährlich werden können.

Zentral- vs. peripheres Sehen

Deutsch

Zentrales Sehen (Fovea): Hohe Auflösung, Farbsehen, benötigt ausreichend Licht. Peripheres Sehen: Bewegungsdetektion, schwaches Licht (Stäbchen), kein Farbsehen.

English (exam)

Central vision (fovea): High acuity, colour, needs light. Peripheral vision: Motion detection, low light (rods), no colour. At night: look slightly off-centre to use rods — the "off-centre viewing technique".

Visuelle Illusionen im Anflug

IllusionSituationEffekt auf PilotGegenmassnahme
Schmale PistePiste schmaler als gewohntFühlt sich zu hoch an → zu tief anfliegenInstrumenten vertrauen
Breite PistePiste breiter als gewohntFühlt sich zu tief an → zu hoch anfliegenInstrumenten vertrauen
Ansteigendes GeländeGelände steigt zur Piste anFühlt sich zu hoch an → zu tief anfliegenPAPI / Glide Path beachten
Black HoleKein Terrain sichtbar (Nacht/Wasser)Illusion der Höhe → unkontrollierter SinkflugILS / PAPI zwingend nutzen

Stress & Arousal

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Stress ist nicht per se negativ — ein gewisses Aktivierungsniveau verbessert die Leistung. Zu viel oder zu wenig ist das Problem.

Yerkes-Dodson-Kurve

Die Performance folgt einer umgekehrten U-Kurve bezüglich Arousal (Aktivierung). Zu wenig Arousal (z. B. Langeweile im Cruise) → Fehler durch Unachtsamkeit. Optimales Arousal → beste Leistung. Zu viel Arousal (z. B. Notfall) → Tunnelblick, Denkblockaden, Fehler.

Stressoren in der Luftfahrt

Ermüdung & Schlaf

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Schlafentzug ist in der Auswirkung auf kognitive Leistung vergleichbar mit Alkohol. 17 Stunden ohne Schlaf entsprechen etwa 0,05% BAC — 24 Stunden etwa 0,10% BAC.

BegriffDefinition
Circadian Rhythm24h-Körperuhr — steuert Schlaf-Wach-Rhythmus, Körpertemperatur, Hormonausschüttung. Low Points: 02:00–06:00 Uhr und 14:00–16:00 Uhr.
Jet LagDesynchronisation der inneren Uhr nach Zeitzonenwechsel. Erholung ca. 1 Tag pro Zeitzone.
MicrosleepUnkontrollierbare Schlaf-Episoden von 2–30 Sekunden — besonders gefährlich weil unbewusst.
Sleep InertiaDesorientierung und reduzierte Leistung direkt nach dem Aufwachen — bis zu 30 Minuten.
Cumulative FatigueAufbauende Erschöpfung über mehrere Tage — kann nicht durch eine Nacht Schlaf vollständig ausgeglichen werden.
Gefährlichste Zeitfenster

Das circadiane Tief zwischen 02:00 und 06:00 Uhr ist die Zeit der niedrigsten Wachheit und schlechtesten Reaktionsfähigkeit. Viele Nachtunfälle fallen in dieses Fenster. Gegenmassnahme: strategische Kurzpausen vor kritischen Phasen (nicht direkt davor — Sleep Inertia).

Entscheidungsfindung

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Piloten treffen Entscheidungen unter Zeitdruck, Unsicherheit und mit begrenzter Information. Das Verstehen von Entscheidungsmodellen hilft, Fehler zu antizipieren.

FORDEC-Modell

BuchstabeSchrittFrage
FFactsWas ist passiert? Was weiß ich sicher?
OOptionsWelche Optionen habe ich?
RRisks & BenefitsWas sind die Risiken und Vorteile jeder Option?
DDecisionWelche Option wähle ich?
EExecutionEntscheidung umsetzen.
CCheckHat die Entscheidung das gewünschte Ergebnis gebracht?

Fehlermodelle

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SHELL-Modell

Das SHELL-Modell beschreibt die Schnittstellen zwischen dem Menschen (Liveware) und seinem Arbeitsumfeld.

KomponenteBedeutungBeispiel
SoftwareVerfahren, Checklisten, RegelnSOP nicht befolgt
HardwareCockpit, Instrumente, AusrüstungSchlecht positionierter Schalter
EnvironmentPhysische und soziale UmgebungLärm, Druck, Schichtarbeit
Liveware (other)Andere Menschen — Crew, ATC, TechnikerKommunikationsfehler
Liveware (self)Der Mensch selbst — Fähigkeiten, GrenzenMüdigkeit, Wissenslücke

Reason's Swiss Cheese Model

Unfälle entstehen selten durch einen einzelnen Fehler — sie entstehen wenn mehrere Schutzschichten gleichzeitig versagen (die "Löcher im Schweizer Käse" richten sich aus). Jede Barriere hat Schwächen — erst wenn alle gleichzeitig versagen, kommt es zum Unfall.

Deutsch

Latente Fehler (Organisationsebene) + aktive Fehler (Piloten/Crew) + versagende Barrieren = Unfall. Sicherheit bedeutet, die Löcher klein zu halten und viele Schichten zu haben.

English (exam)

Latent failures (organisational) + active failures (crew) + failed defences = accident. Safety systems work by maintaining many layers with small holes — never relying on a single defence.

CRM & Teamwork

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Crew Resource Management (CRM) ist die effektive Nutzung aller verfügbaren Ressourcen — Menschen, Information, Ausrüstung — zur sicheren und effizienten Durchführung eines Fluges.

Wichtige CRM-Konzepte

Get-There-Itis

Auch Continuation Bias — die Tendenz, einen begonnenen Plan fortzusetzen auch wenn neue Informationen dagegen sprechen. Klassisch: Weiterfliegen trotz sich verschlechterndem Wetter weil "wir sind schon so weit geflogen". Gegenmassnahme: vorab definierte Go/No-Go Kriterien.

Situational Awareness

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Situational Awareness (SA) nach Endsley beschreibt das Bewusstsein über die aktuelle Lage, ihr Verständnis und die Vorhersage künftiger Zustände.

LevelBeschreibungBeispiel
Level 1Wahrnehmung (Perception)Kraftstoffanzeige zeigt niedrigen Stand
Level 2Verständnis (Comprehension)Kraftstoff reicht nicht bis zum Ziel
Level 3Vorhersage (Projection)Ausweichflugplatz muss in 20 Minuten angeflogen werden
SA-Verlust (Loss of SA)

Passiert wenn ein Pilot auf Level 1 oder 2 bleibt und Level 3 verliert — er reagiert, statt zu antizipieren. Warnsignale: Unklarheit über aktuelle Position, Zeit oder Systemzustand. Sofortmaßnahme: "Step back" — Autopilot einschalten, Workload reduzieren, Lage neu beurteilen.

Typische Prüfungsfehler in Human Performance

Hinweis

Vollständige LO-Abdeckung und Quiz-Modus folgen mit dem nächsten Update. Zurück zur Fächerübersicht →