Start / Fächer / Meteorologie 050

050 · Meteorologie

Meteorologie ist das Subject, das Piloten am direktesten betrifft — im Training und im echten Flugbetrieb. Konzepte verstehen zahlt sich hier doppelt aus.

Subject-Code050
Konzepte~65
Lernzeit≈ 4 Wochen
SpracheDE + EN
StandECQB 2026

Einführung

LO 050 00 00 00

Meteorologie hat den Ruf, besonders abstrakt zu sein. Das täuscht. Die meisten Konzepte sind physikalisch logisch — wer die Grundprinzipien (Druck, Temperatur, Feuchtigkeit) versteht, kann vieles herleiten statt auswendig zu lernen.

Dieses Modul folgt den EASA Learning Objectives für 050. Besonderer Fokus liegt auf den Themen, die in Prüfungen und im echten Flugbetrieb gleichzeitig relevant sind: Icing, Gewitter, Fronten.

Prüfungsstrategie

Meteorologie-Fragen sind oft szenariobasiert ("Ein Pilot fliegt durch..."). Lerne die Konzepte so, dass du sie auf neue Situationen anwenden kannst — nicht nur Definitionen auswendig.

Die Atmosphäre

LO 050 01 01 00

Die Erdatmosphäre ist in vertikale Schichten eingeteilt. Für die Luftfahrt relevant sind vor allem Troposphäre und Stratosphäre.

SchichtHöhe (ca.)TemperaturRelevanz für Luftfahrt
Troposphäre0–11 km (36 000 ft)Nimmt ab: −6,5°C / 1 000 ft (ISA)Aller kommerzielle Flugverkehr, Wetter, Turbulenzen
Tropopause~11 km / FL360Konstant ca. −56,5°CGrenze — Jetstreams, CAT
Stratosphäre11–50 kmNimmt zu (Ozon)Hochfliegende Flugzeuge (z. B. Concorde), Ozonschicht
ISA — International Standard Atmosphere

ISA-Standardbedingungen auf MSL: 15°C, 1013,25 hPa, Dichte 1,225 kg/m³. Temperaturabnahme: −2°C / 1 000 ft bis FL110, dann konstant −56,5°C. Wichtig für alle Leistungsberechnungen.

Temperatur & Lapse Rate

LO 050 02 01 00

Die Lapse Rate beschreibt, wie schnell die Temperatur mit der Höhe abnimmt. Sie ist entscheidend für die Stabilität der Atmosphäre.

BegriffWertBedeutung
DALR (Dry Adiabatic Lapse Rate)3°C / 1 000 ftTemperaturabnahme aufsteigender trockener Luft
SALR (Saturated Adiabatic Lapse Rate)1,5°C / 1 000 ft (variabel)Temperaturabnahme gesättigter Luft (mit Kondensation) — geringer wegen Latenter Wärme
ELR (Environmental Lapse Rate)Variabel (ISA: 2°C / 1 000 ft)Tatsächliche Temperaturabnahme der Umgebungsluft
Deutsch

Stabile Atmosphäre: ELR kleiner als DALR/SALR. Aufsteigende Luft kühlt schneller ab als Umgebung → wird schwerer → sinkt zurück. Keine Konvektion, kein starkes Wetter.

English (exam)

Stable atmosphere: ELR less than DALR/SALR. Rising air cools faster than surroundings → becomes denser → sinks back. Suppresses convection, favours stratiform cloud and fog.

Deutsch

Instabile Atmosphäre: ELR größer als DALR. Aufsteigende Luft ist wärmer als Umgebung → steigt weiter auf. Starke Konvektion, Gewitter möglich.

English (exam)

Unstable atmosphere: ELR greater than DALR. Rising air remains warmer than surroundings → continues to rise. Promotes convection, cumuliform cloud, thunderstorms.

Luftdruck & Höhenmessung

LO 050 03 01 00

Der Höhenmesser misst nicht Höhe — er misst Druck und rechnet diesen in Höhe um. Das erklärt, warum die Einstellung (QNH, QFE, 1013) so wichtig ist.

EinstellungAnzeigeVerwendung
QNHHöhe über MSL (Meeresspiegel)Abflug, Anflug, unterhalb Transition Altitude
QFEHöhe über dem Flugplatz (AGL)Manche Militärflugplätze, selten bei EASA
1013 hPa (STD)Flight Level (FL)Oberhalb Transition Level — alle Flugzeuge gleiche Basis
Häufiger Fehler

High to Low — Look Out Below. Wenn der Druck niedriger ist als die QNH-Einstellung, zeigt der Höhenmesser zu viel an — du bist tatsächlich tiefer als angezeigt. Merke: Vom Hochdruckgebiet ins Tiefdruckgebiet fliegen = Höhenmesser zeigt zu hoch.

Wind & Zirkulation

LO 050 04 01 00

Wind entsteht durch Druckunterschiede. Luft strömt vom Hoch- zum Tiefdruck — aber nicht direkt, weil die Corioliskraft sie ablenkt.

Deutsch

Auf der Nordhalbkugel dreht Corioliskraft den Wind nach rechts. Um ein Tief: zyklonal = gegen den Uhrzeigersinn. Um ein Hoch: antizyklonal = mit dem Uhrzeigersinn.

English (exam)

In the Northern Hemisphere, Coriolis deflects wind to the right. Around a low: cyclonic = anticlockwise. Around a high: anticyclonic = clockwise. Reversed in Southern Hemisphere.

Buys-Ballot-Gesetz

Stehe mit dem Rücken zum Wind (Nordhalbkugel): Das Tief ist links vor dir, das Hoch rechts hinter dir. Merkhilfe für schnelle Lagebeurteilung in der Prüfung.

Jetstream

Schmales Band starker Winde in der Nähe der Tropopause (ca. FL300–FL390). Westlich bis östlich orientiert. Stärke bis über 200 kt. Relevant für Routenplanung (Tailwind/Headwind) und CAT (Clear Air Turbulence).

Wolken

LO 050 05 01 00

Wolken werden nach Form (Cumulo- = konvektiv, Strato- = schichtförmig, Cirro- = hoch) und Höhe klassifiziert.

FamilieHöhe (mittlere Breiten)WolkentypenWettercharakter
Hohe WolkenFL200–FL450Cirrus (Ci), Cirrostratus (Cs), Cirrocumulus (Cc)Eis, kein Niederschlag direkt, Vorbote von Fronten
Mittelhohe WolkenFL065–FL230Altostratus (As), Altocumulus (Ac)Regen/Schnee möglich, Icing
Tiefe Wolkenbis FL065Stratus (St), Stratocumulus (Sc), Nimbostratus (Ns)Nieselregen, Schnee, schlechte Sicht
Vertikale EntwicklungBasis tief, Spitze hochCumulus (Cu), Cumulonimbus (Cb)Starke Turbulenzen, Gewitter, Hagel, Blitzschlag

Wetterfronten

LO 050 06 01 00

Eine Front ist die Grenzfläche zwischen zwei Luftmassen unterschiedlicher Temperatur und Feuchtigkeit. Das Wetter an Fronten ist die häufigste Ursache für operative Einschränkungen.

FronttypAnnäherungszeichenWolkensequenzNiederschlagWetter danach
WarmfrontCirrus → Cirrostratus → Altostratus → Nimbostratus, DruckabfallHoch → tief (über viele 100 km)Ausdauernd, weiträumigWärmer, Sicht besser, Wind dreht
KaltfrontCumulonimbus, schneller Druckabfall, WinddrehungCB, Cu, kurzer StreifenSchauer, Gewitter, intensiv aber kurzKälter, Sicht sehr gut, Wind dreht (N-Halbkugel: auf W/NW)
OkklusionMischung aus beidenVariabelVariabelKomplexes Muster
Eselsbrücke Warmfront vs. Kaltfront

Warmfront = langsam, weit, langweilig. Stundenlanger Dauerregen, Wolken über hunderte Kilometer. Kaltfront = schnell, eng, dramatisch. Kurze intensive Schauer, CB, dann blauer Himmel.

Vereisung (Icing)

LO 050 07 01 00

Vereisung entsteht wenn unterkühlte Wassertropfen beim Auftreffen auf die Flugzeugoberfläche gefrieren. Sie verändert das Profil des Tragflügels und erhöht den Widerstand — eine der gefährlichsten Wetterbedingungen.

EistypEnglischEntstehungCharakteristikGefahr
KlareisClear / Glaze IceGroße unterkühlte Tropfen, T: 0°C bis −10°CTransparent, glatt, hart, schwer zu erkennenSehr hoch — schwer zu entfernen, starke Konturänderung
RaueisRime IceKleine unterkühlte Tropfen, T: −10°C bis −20°CMilchig, porös, rau, nach vorne wachsendMittel — brüchiger, leichter zu entfernen
MischeisMixed IceMischung aus beidenKombination aus EigenschaftenHoch
Kritische Bereiche für Vereisung

Stärkste Vereisung: In Cumulus- und Cumulonimbus-Wolken, in der Nähe der Gefriergrenze (0°C Isotherm), in Nimbostratus bei Temperaturen 0°C bis −20°C. Unter −40°C: praktisch keine Vereisung mehr (zu wenig flüssiges Wasser).

Deutsch

Vereisung vermeiden: Gefriergrenze umfliegen (höher oder tiefer), Enteisungsanlage aktivieren, Bereich verlassen wenn Vereisungsintensität zunimmt.

English (exam)

Icing avoidance: Climb above or descend below the freezing level, activate anti-ice/de-ice systems before entering icing conditions, exit the area if intensity increases.

Gewitter & Cumulonimbus

LO 050 08 01 00

Der Cumulonimbus (CB) ist das gefährlichste Wetterphänomen für die Luftfahrt. Er vereint alle bekannten Gefahren: Turbulenzen, Icing, Windscherung, Hagelschlag, Blitzschlag, Mikroburst.

Lebensphasen eines Gewitters

Absolutes No-Go

CB niemals durchfliegen — weder durch noch knapp darunter. Seitlicher Mindestabstand: 20 NM (ICAO-Empfehlung). Unter dem Amboss (Anvil) sind Hagelwürfe weit außerhalb des sichtbaren CB möglich.

Windscherung (Wind Shear)

Plötzliche Änderung von Windrichtung und/oder -stärke über kurze Distanz. Besonders gefährlich in Startrolll und Endanflug. Ursachen: CB, Frontdurchgang, Jetstream, thermische Inversion.

Microburst

Intensiver lokaler Downburst aus CB. Reichweite <4 km, Dauer 2–5 Minuten, Windänderungen bis 60+ kt. Im Anflug: zuerst Headwind-Zunahme (Fahrt erhöht sich), dann schnell Tailwind und Downburst. Ohne rechtzeitige Reaktion kritisch. GPWS/EGPWS und Windshear-Warnsysteme ansprechen lassen.

Typische Fehler in Meteorologie

Hinweis

Dieses Modul deckt die zentralen Meteorologie-Konzepte ab. Vollständige LO-Abdeckung, Übungsaufgaben und der Quiz-Modus folgen mit dem nächsten Update. Zurück zur Fächerübersicht →